Work-Life-Balance: Ein Faktor auch für kleinere Unternehmen
Fördergelder für KMU zur Optimierung familienfreundlicher Maßnahmen
Work-Life-Balance ist ein klarer wirtschaftlicher Erfolgsfaktor. Gerade in Branchen, in denen es an Fach- und Führungskräften mangelt, ist dies ein zugkräftiges Argument im Einstellungsgespräch. Ausschlaggebend für die Durchführung von Work-Life-Maßnahmen sind meistens auch betriebswirtschaftliche Überlegungen. Neben reduzierten Fehlzeiten und verbessertem Image sind Mitarbeiter, die flexibel arbeiten können und sich ernst genommen fühlen, zufrieden und engagieren sich mehr in ihrem Job. Außerdem wissen die Unternehmen, dass sie qualifizierten Leuten etwas bieten müssen, um sie zu halten und sich langfristig ihr Know-how zu sichern.
Besonders hoch qualifizierte Frauen verzichten aus Job-Gründen auf die Familiengründung. In der Generationenstudie der Hans Seidl Stiftung sagten 84 % der Befragten, die Anforderung der modernen Berufswelt behindere die Familiengründung. Dies hat fatale gesamtwirtschaftliche Folgen. Hält die momentane Bevölkerungsentwicklung an, werden in Deutschland innerhalb der nächsten 30 Jahre 8 bis 12 Millionen Erwerbstätige fehlen.
Große Unternehmen haben daher bereits begonnen, ihre Personalpolitik nachhaltig zu verändern. Den Firmen wird allmählich bewusst, dass sie sich mit familienfreundlichen Arbeitsbedingungen einen Wettbewerbs- und Innovationsvorsprung sichern können.
Zielgruppen waren anfangs überwiegend Frauen, die nach der Babypause wieder in den Beruf einsteigen wollten. Heute wird der Bogen weiter gespannt. Auch der zunehmende Wunsch vieler Männer nach engagierter Vaterschaft und der Wunsch von Singles nach mehr Privatleben trugen zu dieser Entwicklung bei .
Wie schwer es sein kann, Arbeit und Privatleben zu vereinbaren, zeigt eine Studie des Computerkonzerns IBM. Demnach werden die meisten Kündigungen damit begründet, dass Privat- und Familienleben unter dem Job leiden.
In den USA leisten sich größere Unternehmen daher schon seit Jahren Work-Life-Koordinatoren, persönliche Dienstleister, die gestressten Mitarbeitern und Ihren Familien u.a. im Haushalt helfen. Hierzulande greifen zunächst große Unternehmen vermehrt auf die Dienste von Agenturen zurück.
Mögliche Work-Life-Maßnahmen ...
sind zum Beispiel:
- flexible Arbeitszeiten und -organisationen
- Telearbeitsplätze
- Kinderbetreuungsmaßnahmen
- Unterstützung bei der Pflege älterer Angehöriger
- Einkaufsdienste
- Beratung zu Krisenthemen
- Stressvermeidung
- Wiedereingliederungsmaßnahmen
- Veränderung der Unternehmenskultur
Allerdings fällt Großunternehmen dieser Lernprozess immer noch deutlich leichter als kleinen und mittleren Betrieben. Das Bundesfamilienministerium berät und fördert deshalb aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds gezielt die Einrichtung von neuen Betreuungsplätzen für Mitarbeiterkinder.
Ein neues Bewusstsein und Engagement zeigen die Zahlen der Unternehmen, Institutionen und Hochschulen, die in diesem Jahr erfolgreich das "audit berufundfamilie" bzw. das "audit familiengerechte hochschule" durchlaufen haben. Insgesamt 308 Arbeitgeber haben mit dem audit den strategischen Einstieg in eine familienbewusste Personalpolitik oder deren kontinuierlichen Ausbau gesucht – davon 136 Unternehmen, 133 Institutionen und 39 Hochschulen. Über die Hälfte der Arbeitgeber – nämlich 180 – wurden zum ersten Mal auditiert, 128 Arbeitgeber, durften nach Abschluss der Re-Auditierung das Zertifikat weiterführen.
Insbesondere für kleine und mittelständische Unternehmen bietet der Europäische Sozialfonds für Deutschland "Fördergelder für KMU zur Optimierung familienfreundlicher Maßnahmen".
Weitere Informationen bei ...
... unserer Expertin für Personalberatung Eva Peters, und online unter:
www.erfolgsfaktor-familie.de - Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend bietet hier u.a. ein Förderprogramm, Unternehmenswettbewerbe und ein Unternehmensnetzwerk zum Thema familienfreundliche Betriebe.
www.work-life.de - Das "Kompetenzzentrum Work-Life, familienfreundliche Arbeitswelt" fördert, berät und informiert Betriebe und Institutionen zu familienfreundlichen Arbeitswelten. Auf der Website findet sich eine Infothek mit Datenbank zu Arbeitszeitmodellen, Best-Practice-Beispielen sowie Checklisten und Studien.
www.familienservice.de - Die Website der pme Familienservice GmbH als nach eigener Aussage größter deutschsprachiger Anbieter von Work-Life-Balance Maßnahmen bietet unter http://www.familienservice.de/xi-490-0-500-247-0-de.html eine Auflistung aktueller Studienergebnisse zum Thema Work-Life-Balance und Diversity & Inclusion.
www.beruf-und-familie.de - Die Website der gemeinnützigen berufundfamilie gGmbH bietet neben Best Practice Beispielen aus Großunternehmen, Hochschulen und Institutionen eine Übersicht von Fördermöglichkeiten und auf Basis einer Studie erstmals den Beleg für positive betriebswirtschaftliche Effekte einer familienbewussten Personalpolitik. Sie finden dort auch einen Flyer zum Förderprogramm 'Betrieblich unterstützte Kinderbetreuung'. Ebenso einen Fragebogen als "Managementinstrument vom Forschungszentrum Familienbewusste Personalpolitik" - Der Indexwert aus insgesamt 21 Fragen soll wesentliche Aspekte betrieblichen Familienbewusstseins abbilden.

